Achtsamkeit als neue Form der Selbstfürsorge – Tag der psychischen Gesundheit am 10.Oktober

Schon vor zweieinhalbtausend Jahren wusste Gautama Buddha, dass Entspannung im Kopf anfängt und einfache Übungen zur Verbesserung der Lebensqualität führen. Im Jahr 1979 entwickelte der Medizinprofessor Jon Kabat-Zinn von der University of Massachusetts dieses Wissen weiter in ein medizinisches systematisches Programm zu Stressbewältigung. Durch sogenannte Mindfulness-Based Stress Reduction (=Stressbewältigung durch Achtsamkeit), kurz MBSR, soll mehr Zufriedenheit und Freude im Leben erreicht werden. Der „Internationale Tag der psychischen Gesundheit“ am 10. Oktober soll auf psychische Gesundheit und deren Bedeutung für die Lebensqualität der Menschen aufmerksam machen.

In Deutschland leiden immer mehr Menschen an psychischen Krankheiten und sind in vielen Fällen arbeitsunfähig. So liegt die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitsfälle in diesem Bereich von 2016 um 54,2 Prozent höher als im Jahr 2006. Laut einer Studie der WHO  sucht weltweit jeder vierte Arztbesucher seinen Arzt wegen psychischen Störungen auf. Das Konzept der Achtsamkeit soll dem entgegenwirken. Achtsamkeit kann zur allgemeinen Stressreduktion eingesetzt werden. Achtsamkeit erlaubt uns, Situationen mit Offenheit zu begegnen, selbst wenn Gefühle wie Angst oder Ärger damit verbunden sind. Achtsamkeit erlaubt uns auch schmerzhafte Aspekte zu akzeptieren. Ein Achtsamkeitstraining kann somit die Wahrnehmung und die Einschätzung einer bestimmten Situation günstig beeinflussen und damit zur Stressreduktion beitragen. Achtsamkeitsübungen beinhalten Übungen des Innehaltens, des feinen Beobachtens und Loslassen im Alltag, der Veränderung der inneren Haltung, um eine persönliche Entwicklung vorzunehmen, aber auch als Weg zur Selbsterkenntnis. Sich selbst dabei bewusst wahrzunehmen, mit den eigenen Bedürfnissen und Gedanken und diese dabei nicht bewerten mit Werturteilen wie „gut“ oder „schlecht“ ist ein Ziel der Achtsamkeit. Der Mensch soll sich im gegenwärtigen Augenblick all seiner Sinne bewusst sein. Dichter, Philosophen und Psychologen verstehen Achtsamkeit als zentrales Element menschlicher Reifung und Weg zur tieferen Einsicht, Gelassenheit und Konzentration als „Ruhe im Zentrum des Sturms“.

Achtsamkeitsübungen können z.B. Body-Scan, Atemmeditation, Gehmeditation oder Hatha Yoga sein. Der kleinste gemeinsame Nenner der Entspannungstechniken ist das entschleunigende Atmen, was mehr ist als nur Luft holen. Durch Atemtechniken kann z.B. Angst reduziert werden. Durch eine achtsamkeitsorientierte Bewegungsförderung kann z.B. die Grundlage dafür geschaffen werden, dass Menschen durch den Zugang zu eigenen Ressourcen mit emotionalen Belastungen und Stress besser umgehen können. Achtsamkeit wird auch als Therapieform eingesetzt, z.B. als Bestandteil einer Traumatherapie oder als Hilfe bei der Bewältigung von Krankheiten, bei Krebs oder zur Rückfallprophylaxe von Depressionen. Bei chronischen Schmerzen helfen die Übungen eine akzeptierende Haltung gegenüber dem eigenen Körper und dem schmerzhaften Erleben zu entwickeln. Achtsamkeit hilft, dass ältere Menschen besser mit körperlichen Beschwerden umgehen können und ein höheres emotionales Wohlbefinden aufweisen.

Der Transfer in den Alltag ist oft schwierig, weil die Rahmenbedingungen komplex sind oder Störfaktoren der Umgebung behindern. Bisweilen fällt es schwer, allen Herausforderungen des Alltags gleich kraftvoll zu begegnen oder zu entscheiden, welche Aufgaben zu 100% und welche nur mit halber Kraft gemeistert werden sollen. Dabei wäre Achtsamkeit, ein Achten auf den eigenen Energiehaushalt nicht nur Selbstzweck, um einen „Burn-out“ zu vermeiden. Achtsamkeit bedeutet vielmehr, "dem Augenblick bewusst Aufmerksamkeit zu schenken" und damit konzentrationsfähig, flexibel, kreativ und in Konflikten gelassen zu reagieren. Wir haben oft kaum Gespür, was uns wirklich wichtig ist. Wenn wir an die Entschleunigung der Alltagshektik denken, geht es um Veränderungsmöglichkeiten. Achtsamkeit ist eine tiefe Ressource für den Menschen und hat neben einer Bewusstseinsentwicklung auch Wirkungen auf Gesundheit, Stressbewältigung, effektives Handeln und menschliche Beziehungen. Neben der Stärkung unserer eigenen Ressourcen gilt es eine Kultur der Achtsamkeit auch in der Arbeitswelt zu implementieren. Gerade im Berufsleben ist Klarheit über sich selbst und andere von beträchtlichem Wert, denn hier ist der Stresspegel oft besonders hoch. Das Thema Arbeit und Psyche und speziell psychische Belastungen am Arbeitsplatz haben hier zentrale Bedeutung, wenn man bedenkt, dass „burn-out als Epidemie des 21. Jahrhunderts“ immer mehr zum Gegenstand von Arbeitsunfähigkeitszeiten führt. Achtsamkeit hilf uns gelassener zu sein und eine Situation aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Wir schauen und spüren in uns hinein. 

 

Somit macht es Sinn, den Achtsamkeitsbegriff um den Aspekt der Selbstfürsorge zu erweitern. Selbstfürsorge als Gesundheitsverhalten definiert „eine präventive Lebensweise, die Schäden fern hält, die Fitness fördert und somit auch die Lebenserwartung verlängern kann“ (Schwarzer 2004). Selbstfürsorge kann auch Selbstbeschränkung bedeuten, etwa bei der Arbeit, beim Essen oder Einkaufen. Selbstfürsorge sind Aktivitäten, die physisches und psychisches Wohlbefinden aufrechterhalten oder wiederherstellen und emotionalen und körperlichen Stress ausgleichen. Letztendlich ist Achtsamkeit und Selbstfürsorge unerlässlich für den Zustand einer psychischen Gesundheit, die geprägt wird aus dem Zusammenspiel von Arbeitsverhalten, Sozialverhalten, Gesundheitsverhalten und der Biologie und damit essentiell für eine ausgewogene „life balance“. „Psychische Gesundheit ist besonders wichtig, aber sie ist mehr als das. Sie ist zentral für unser Glück.“ (Lord Richard Layard). Die Entscheidung gut für sich zu sorgen ist auch in Zusammenhang mit soziokulturellen Einflüssen zu sehen und ist damit in früh erworbene Wertvorstellungen eingebunden.

Das Konzept der Achtsamkeit spielt in der Therapie bei vielen Patienten in der Schlossklinik Bad Buchau, der  Rehabilitationsklinik für Neurologie und Psychosomatik in Bad Buchau, eine zentrale Rolle. Die Abteilung Psychosomatik, unter der Leitung von PD Dr. Gottfried Müller, ist spezialisiert auf die Behandlung von Menschen mit seelischen Erkrankungen und Beeinträchtigungen. Behandlungsfelder der psychosomatischen Fachabteilung sind unter anderem: Depressionen, Panikstörungen, Ängste, Zwänge, Erschöpfungszustände und Burnout, Seelische Störungen und Lebensbeeinträchtigungen im   Zusammenhang mit chronischen Krankheiten.

Die Behandlung erfolgt hierbei nach einem integrativen Psychotherapiekonzept, welches tiefenpsychologische, systemische sowie verhaltens- und körpertherapeutische Verfahren einbezieht. Im Mittelpunkt steht dabei immer der Mensch mit seiner individuellen Lebensgeschichte sowie den daraus resultierenden psychodynamischen Zusammenhängen. Beschwerden und Störungen werden in der Schlossklinik somit nicht bereichsspezifisch, sondern immer ganzheitlich betrachtet und behandelt. Die Achtsamkeitstherapie wird in der Schlossklinik im Rahmen eines Aufenthalts mit dem Ziel der medizinischen Rehabilitation oder von BGM (Betriebliches Gesundheitsmanagement) in Präventionsgruppen angewandt. 

Achtsamkeit als neue Form der Selbstfürsorge
Schlossklinik Bad Buchau

Die Schlossklinik gehört zusammen mit Federseeklinik, Adelindis Therme und Thermenhotel „Gesundheits-Bad Buchau“ mit Kurzentrum und Gastronomie zum Markendach „Gesundheitszentrum Federsee“. Die Klinik ist spezialisiert auf die medizinische Betreuung von Patienten mit neurologischen und psychosomatischen Erkrankungen und ist als Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Ulm eng mit Lehre und Forschung verbunden. Weitere Informationen erhalten Sie online unter www.gzf.de

Autor: Redaktion Rehakliniken Online

Stand: 05.10.2018

Quelle:

Gesundheitszentrum Federsee
Moor-Heilbad Buchau gGmbH
 

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